Seit ich vegan lebe ist eine meiner liebsten Beschäftigungen der Essenskampf mit meinem Opa. Da ich bei ihm wohne ist das unausweichlich, und wirklich spaßig ist es meist erst im Nachhinein. Als wir mit unserer kleinen WG anfingen, aß ich auch noch Fleisch, hab aber schnell die Küche zu meinem Territorium erklärt, um nicht jeden Tag eine sehr ungesunde Portion pures Hüftgold zu mir zu nehmen… Sein Kochstil ist etwas sehr deftig und fettig…
Nun hat er sich an meine Kochkunst gewöhnt und freut sich natürlich immens über die komplett auf pflanzliche Zutaten umgestellten Ergebnisse… nicht ;(
Bevor Ratschläge genannt werden oder ähnliches, wie man ihn auch zu einem Veganer machen kann, gleich vorab: Das ist unmöglich. Und ich hab es mehr als genug versucht, sobald ihm die Argumente auszugehen zu scheinen, wird sofort auf komplette Blockade umgeschaltet und es ist nichtmehr ranzukommen. Schlagwort ist hier eindeutig Nachkriegszeit, wenn ich ihm mit Begriffen wie Steckrübensirup, Graupen und Grünkernschrot komme, hat er das wohl direkt im Kopf und will ungern daran zurück denken. Ich gehör nicht zu der Generation und hab es nicht erlebt, aber vielleicht würde ich genauso reagieren, wer weiß. Deshalb lass ich ihm aber seinen Willen. Zumindest teils!
Bösartige Hintertürchen zum Veganismus: Ich kaufe selbst nur noch vegane Produkte ein, wenn er Fleisch, Eier, Milch oder Käse will, muss er selbst los. Außerdem gibt es für ihn eben nur in seltensten Ausnahmen etwas mit Fleisch drin, Eintöpfe zb habe ich ihm in Aussicht gestellt (in ferne!), wenn er das Fleisch kauft und ich genug Zeit dafür hab und den Nerv, zwei Töpfe parallel zu kochen.
Wo er sich ganz und gar nicht wehren kann sind Backwaren. Da hat er schon von meiner Oma aus niemals etwas selbst gemacht, es bleibt ihm gar keine andere Wahl (außer kaufen) außer meine leckeren veganen Backwaren zu essen. So wie diesen tollen Alternativkuchen hier: Er bekam später noch einen leckeren Zitronenzuckerguss drüber.
Er ist nach dem Rezept vom Zitronenkuchen aus dem Buch „Vegan lecker lecker!“ von Marc Pierschel, Lies Hermans und Denise Kästner nachempfunden (S. 71)… Da mir aber während dem Zusammenrühren auffiel, das ich gar kein Sojamehl da hatte und der Ahornsirup/Agavendicksaft von mir von Anfang an durch Rübensirup ersetzt werden sollte, war das ganze ein wirklicher Alternativkuchen, er war auch ohne den Ei-Ersatz sehr lecker und fluffig, aber das genaue Rezept gibt es nicht mehr. War am Ende ein einfaches Nach-Gefühl-Zusammenmischen-der-Zutaten. Der Rübensirup hat ihm ersten Stadium deutlich herausgeschmeckt, mit Zitronensaft leicht getränkt und mit ordentlichem Guss später aber nicht mehr. Und den Allesessern hat er auch sehr gut geschmeckt, hrhrhr. Der wurde als Mitbringsel zu einem Kaffeeklatsch mitgenommen von meinem Opa und dort verputzt.
Ich denke auf kurz oder lang wird sich meine Umwelt mit meiner neuen Gewohnheit anfreunden (und hey, die erste bin ich nicht, meine Schwester wurde zuerst vegan *g* ) und damit abfinden, das ich damit unweigerlich ansteckend bin, hehe.
So long,
Xeno

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